Deutschland und Türkiye: Wise News Press will gemeinsam Brücken bauen

Wise News Press startet auf Deutsch: Yusuf İnan über deutsch-türkische Freundschaft, Menschenrechte und die politische Teilhabe türkeistämmiger Deutscher.

Aug 19, 2026 - 06:34
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Deutschland und Türkiye: Wise News Press will gemeinsam Brücken bauen

Von Yusuf İnan | Wise News Press
Journalist und Autor | Politischer und strategischer Analyst

ANKARA, TÜRKEI — Mit der deutschen Ausgabe von Wise News Press wollen wir aus der Perspektive eines türkischen Journalisten auf Deutschland, Europa und die Welt blicken und zugleich neue Brücken zwischen Deutschland und Türkiye bauen.

Wir beginnen diese Veröffentlichung mit einer klaren Haltung: Wir wollen Deutschland weder aus der Ferne beurteilen noch deutsche Politik durch die Brille türkischer Innenpolitik betrachten. Wir wollen verstehen, erklären, vergleichen und dort, wo es sinnvoll ist, zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Deutschland und Türkiye verbindet längst mehr als eine klassische Beziehung zwischen zwei Staaten. Das Auswärtige Amt beschreibt die Beziehungen als besonders vielfältig und eng und verweist auf rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Deutschland ist zugleich einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner Türkiyes; Tausende Unternehmen verbinden beide Volkswirtschaften.

Für Wise News Press ist genau diese Realität der Ausgangspunkt.

Eine deutsche Ausgabe mit einer klaren Haltung

Wir werden über Deutschland schreiben.

Über deutsche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Über Berlin, die Bundesländer und Europa. Über die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara, über NATO, EU, Migration, Wirtschaft, Sicherheit, Wissenschaft und Kultur.

Aber wir wollen auch zeigen, wie Deutschland aus Türkiye gesehen wird.

Dabei werden wir nicht versuchen, eine deutsche Zeitung zu imitieren. Deutschland verfügt über eine starke, vielfältige und traditionsreiche Medienlandschaft. Unser Beitrag soll ein anderer sein: eine zusätzliche journalistische Perspektive aus Türkiye, die Deutschland ernst nimmt und die historische Verbindung beider Gesellschaften kennt.

Unsere Position ist dabei nicht an eine deutsche oder türkische Partei gebunden.

Wir stehen für die grundlegenden europäischen Werte, die auch Grundlage einer friedlichen demokratischen Ordnung sind: Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit, politische Vielfalt, Gleichheit vor dem Gesetz und das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Menschen.

Freundschaft zwischen Staaten bedeutet für uns nicht, Meinungsverschiedenheiten zu verschweigen. Deutschland und Türkiye werden nicht in jeder politischen Frage übereinstimmen. Auch das Auswärtige Amt beschreibt neben der engen Verbindung bestehende politische Spannungen.

Eine belastbare Freundschaft muss Kritik aushalten können.

Drei Millionen Menschen sind eine lebendige Brücke

Die deutsch-türkische Geschichte spielt sich nicht nur in Kanzlerämtern und Präsidentenpalästen ab.

Sie lebt in Familien, Unternehmen, Universitäten, Krankenhäusern, Schulen, Vereinen, Fußballklubs, Parlamenten und Verwaltungen.

Das ist vielleicht die größte Stärke dieser Beziehung.

Aus türkischer Perspektive finde ich besonders bemerkenswert, wie weit Deutschland inzwischen Menschen mit türkischer Familiengeschichte den Weg in politische und staatliche Verantwortung geöffnet hat.

Im 21. Deutschen Bundestag sitzen nach Auswertungen zur Bundestagswahl 19 Abgeordnete mit Türkei-Bezug. Sie gehören nicht einer einzigen politischen Richtung an, sondern SPD, CDU/CSU, Grünen und Linken. Gerade das ist wichtig: Menschen türkischer Herkunft sind in Deutschland kein politischer Block, sondern selbstverständlicher Bestandteil unterschiedlicher demokratischer Strömungen.

Manche wurden in Deutschland geboren, andere kamen als Kinder oder Jugendliche aus Türkiye. Ihre Lebenswege reichen von Pflege und Sozialarbeit über Justiz und Wissenschaft bis zur Industrie und Kommunalverwaltung.

Diese 19 Abgeordneten mit Türkei-Bezug sitzen im Bundestag

SPD

  • Hakan Demir arbeitete unter anderem als Onlinejournalist, bei MiGAZIN, für DeutschPlus und in der politischen Bildung, bevor er 2021 in den Bundestag einzog. Heute arbeitet er unter anderem im Innen- sowie im Rechtsausschuss.
  • Metin Hakverdi ist Volljurist und war von 2008 bis 2013 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, bevor er 2013 in den Bundestag wechselte.
  • Macit Karaahmetoğlu ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt unter anderem im Urheber- und Medienrecht und Präsident der Deutsch-Türkischen Gesellschaft; heute führt er den Bundestagsausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung.
  • Mahmut Özdemir studierte Rechtswissenschaften und arbeitete für die SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen. Heute ist er Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium.
  • Aydan Özoğuz arbeitete bei der Körber-Stiftung, saß in der Hamburgischen Bürgerschaft, war Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sowie von 2021 bis 2025 Vizepräsidentin des Bundestages. Heute führt sie den Ausschuss für Sport und Ehrenamt.
  • Derya Türk-Nachbaur arbeitete journalistisch, in der Kinder- und Jugendhilfe sowie kommunalpolitisch und engagierte sich unter anderem im Deutschen Institut für Menschenrechte; seit 2021 gehört sie dem Bundestag an.
  • Serdar Yüksel ist ausgebildeter Krankenpfleger, studierte Gesundheitswissenschaften und gehörte von 2010 bis April 2025 dem nordrhein-westfälischen Landtag an, bevor er in den Bundestag wechselte.

Die Linke

  • Gökay Akbulut ist Sozialwissenschaftlerin, arbeitete in Bildung und Migrationsarbeit und war Mitglied des Mannheimer Gemeinderats; dem Bundestag gehört sie seit 2017 an.
  • Ateş Gürpınar ist Medienwissenschaftler, war Landesgeschäftsführer und Landesvorsitzender der Linken in Bayern und ist stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.
  • Ferat Koçak ist Wirtschaftswissenschaftler, arbeitete unter anderem bei Allianz, im Marketing und bei Campact und gehörte vor seinem Bundestagsmandat dem Berliner Abgeordnetenhaus an.
  • Cansın Köktürk ist Sozialarbeiterin und arbeitete vor ihrem Bundestagsmandat in der Jugend- und Sozialhilfe; heute gehört sie dem Ausschuss für Arbeit und Soziales an.
  • Cansu Özdemir arbeitete im sozialen Bereich und gehörte von 2011 bis 2025 der Hamburgischen Bürgerschaft an, deren Linke-Fraktion sie zehn Jahre lang führte.
  • Cem İnce kommt aus der Industrie: Er absolvierte bei Volkswagen eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik und war in der gewerkschaftlichen Jugendvertretung aktiv.
  • Mirze Edis arbeitete bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann als Stahlbauschlosser und ist seit 1994 Betriebsrat. Im Bundestag arbeitet er heute unter anderem im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.

CDU/CSU

  • Serap Güler arbeitete in der nordrhein-westfälischen Landesregierung, war Landtagsabgeordnete und später Staatssekretärin für Integration. Heute ist sie Staatsministerin im Auswärtigen Amt.
  • Tijen Ataoğlu ist Richterin am Landgericht Hagen und leitete vor dem Bundestagseinzug das Büro des CDU-Fraktionsvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen; dort koordinierte sie auch parlamentarische Untersuchungsausschüsse.
  • Hülya Düber ist Juristin und leitete vor ihrem Bundestagsmandat zehn Jahre lang das Jugend-, Familien- und Sozialreferat der Stadt Würzburg. Heute steht sie dem Petitionsausschuss des Bundestages vor.

Bündnis 90/Die Grünen

  • Ayşe Asar ist Juristin, war Kanzlerin der Hochschule RheinMain und anschließend Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
  • Filiz Polat ist Diplom-Volkswirtin, war von 2004 bis 2017 Mitglied des Niedersächsischen Landtags und zuvor auch kommunalpolitisch tätig; seit 2017 gehört sie dem Bundestag an.

Dass diese Namen auf mehrere Parteien verteilt sind, halte ich für wichtiger als die Zahl 19 selbst.

Denn Integration ist dann erfolgreich, wenn Herkunft irgendwann nicht mehr die politische Position bestimmt.

Von Cem Özdemir bis Sinan Selen: Verantwortung auf höchster Ebene

Die Geschichte endet nicht im Bundestag.

Cem Özdemir schrieb bereits 1994 Geschichte, als er als erster Bundestagsabgeordneter türkischer Herkunft für die Grünen gewählt wurde. Später wurde er Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und zeitweise zusätzlich Bundesminister für Bildung und Forschung. Seit dem 13. Mai 2026 ist er Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Auch Serap Güler trägt heute als Staatsministerin im Auswärtigen Amt Verantwortung für deutsche Außenpolitik.

Und dann ist da ein Name, der aus meiner Sicht eine besondere Symbolkraft hat: Sinan Selen.

Seit dem 8. Oktober 2025 ist Selen Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, also des deutschen Inlandsnachrichtendienstes. Dass ein Deutscher mit türkischer Familiengeschichte an der Spitze einer Institution steht, deren Kernaufgabe der Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands ist, hat eine Bedeutung, die weit über eine Personalentscheidung hinausgeht. Auch 2026 tritt Selen in dieser Funktion als Präsident des BfV auf.

Aus Türkiye betrachtet ist das für mich bemerkenswert.

Und ja: Es ist auch ein Grund für Stolz.

Nicht deshalb, weil diese Menschen „Türkiye im deutschen Staat vertreten“. Das tun sie nicht. Sie vertreten Deutschland und seine Institutionen.

Gerade darin liegt der Wert.

Deutschland vertraut Bürgerinnen und Bürgern mit unterschiedlichen familiären Wurzeln Verantwortung für Parlament, Ministerien, Landesregierungen und sogar seine sensibelsten Sicherheitsinstitutionen an.

Das ist politischer Mut. Vor allem aber ist es ein Zeichen institutioneller Reife.

Stolz auf Herkunft darf nicht zur Herkunftspolitik werden

Wir sollten dabei einen Fehler vermeiden.

Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland sind nicht die verlängerte politische Hand Türkiyes.

Serap Güler ist deutsche Staatsministerin.

Cem Özdemir ist Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes.

Sinan Selen leitet eine deutsche Sicherheitsbehörde.

Die 19 Abgeordneten sind Mitglieder des Deutschen Bundestages.

Sie vertreten ihre Wähler, ihre Parteien, ihre politischen Überzeugungen und die Bundesrepublik Deutschland – nicht Ankara.

Genau deshalb können Menschen in Türkiye trotzdem stolz auf ihre Lebenswege sein.

Ein Mensch kann Deutschland dienen und zugleich Teil einer Familiengeschichte sein, die in Anatolien, Istanbul, Izmir, Rize, Kars oder Çorum begonnen hat.

Das ist kein Widerspruch.

Es ist das Europa des 21. Jahrhunderts.

Freundschaft bedeutet auch Menschenrechte und offene Kritik

Wise News Press wird deshalb keine Zeitung der nostalgischen Freundschaftsrhetorik sein.

Wir wollen einen Beitrag zur deutsch-türkischen Freundschaft leisten – aber eine Freundschaft, die auf Werten steht.

Menschenrechte sind für uns nicht verhandelbar.

Religionsfreiheit gilt für Muslime ebenso wie für Christen, Juden, Aleviten, Konfessionslose und alle anderen.

Die Würde eines Menschen hängt nicht von seiner Herkunft ab.

Pressefreiheit darf nicht davon abhängen, wer gerade regiert.

Rechtsstaatlichkeit muss für Regierungen ebenso gelten wie für Oppositionelle.

Und Frieden ist nicht Schwäche. Frieden braucht Diplomatie, aber in einer Welt der Machtpolitik auch handlungsfähige demokratische Staaten und eine starke europäische Zusammenarbeit.

Wir stehen deshalb grundsätzlich hinter einer europäischen Ordnung, in der Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaat und friedliches Zusammenleben nicht nur Schlagworte sind.

Das bedeutet auch: Wir werden Deutschland kritisieren, wenn wir es für notwendig halten.

Und wir werden Türkiye kritisieren, wenn wir es für notwendig halten.

Freundschaft bedeutet nicht, Fehler des Freundes zu verschweigen.

Sie bedeutet, ihm ehrlich gegenüberzutreten.

Wise News Press möchte eine journalistische Brücke sein

Die deutsche Ausgabe von Wise News Press beginnt mit diesem Anspruch.

Wir wollen deutschen Leserinnen und Lesern erklären, wie bestimmte Entwicklungen aus Türkiye gesehen werden.

Wir wollen türkischen und türkeistämmigen Lesern erklären, wie deutsche Institutionen funktionieren und warum bestimmte Debatten in Deutschland anders geführt werden als in Türkiye.

Wir wollen über Berlin und Ankara schreiben, aber ebenso über Brüssel, Washington, Moskau, Kyiv und den Nahen Osten.

Wir wollen deutsche Politik nicht auf Migration reduzieren und Türkiye nicht auf Erdoğan.

Wir wollen über Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft, Kultur und Menschen sprechen.

Die Verbindung zwischen beiden Ländern ist dafür viel zu wertvoll, um sie nur dann zu entdecken, wenn eine diplomatische Krise entsteht.

Das deutsche Auswärtige Amt spricht selbst von besonders vielfältigen und engen Beziehungen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte bei seinem Ankara-Besuch im Oktober 2025, Deutschland wolle die Zusammenarbeit mit Türkiye weiter vertiefen und das Potenzial dieser Beziehungen stärker nutzen.

Genau dazu kann auch Journalismus beitragen.

Nicht indem er Regierungen gefällt.

Sondern indem er Gesellschaften einander verständlicher macht.

Deutschland und Türkiye brauchen mehr Menschen, Institutionen und Medien, die Brücken bauen, ohne ihre journalistische Unabhängigkeit aufzugeben.

Mit der deutschen Ausgabe von Wise News Press wollen wir eine dieser Brücken sein.

Yusuf İnan

WiseNewsPress.com

Yusuf İnan ist Journalist, Autor sowie politischer und strategischer Analyst. Er ist Chefredakteur von UAPresa.com, WiseNewsPress.com, SehitlerOlmez.com, SiyasetinSesi.com und YerelGundem.com. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf strategischen und politischen Analysen zu Entwicklungen in Türkiye und weltweit.

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Yusuf İnan

Yusuf İnan is a journalist, columnist, strategic analyst and head of the Wise News Press Media Group. His work focuses on international affairs, geopolitics, security and major social issues. Through his journalism, he promotes peace, dialogue, mutual understanding and responsible reporting while contributing to the development of international media projects.

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