Wohnungsmangel bremst Deutschlands Wirtschaft: Neubau bricht weiter ein

Deutschlands Wohnungsbau bleibt in der Krise: 1,35 Millionen Wohnungen fehlen, während sinkende Neubauzahlen Wachstum, Steuereinnahmen und Arbeitsmarkt belasten.

27. August 2026 - 14:19
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Wohnungsmangel bremst Deutschlands Wirtschaft: Neubau bricht weiter ein

Von Ahmet Taş | Wise News Press

BERLIN, DEUTSCHLAND — Der starke Rückgang des Wohnungsbaus in Deutschland bremst nach einer neuen Branchenanalyse das Wirtschaftswachstum, verschärft den Fachkräftemangel und lässt den bundesweiten Fehlbestand auf rund 1,35 Millionen Wohnungen steigen.

Der für den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellte Bau-Monitor 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass die schwache Bautätigkeit zwischen 2023 und 2025 inzwischen weit über die Immobilienbranche hinaus wirtschaftliche Folgen hat. Gleichzeitig erwartet die Branche für 2026 einen weiteren Rückgang bei den fertiggestellten Wohnungen.

DW zufolge wurden 2025 bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger gebaut als 2023. Der daraus resultierende Umsatzverlust allein im Baugewerbe wird im Bericht auf rund 26,9 Milliarden Euro beziffert. Die Entwicklung habe das Bruttoinlandsprodukt um etwa 0,6 Prozentpunkte belastet und zu rund 7 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen geführt.

Wohnungsbau wird zum gesamtwirtschaftlichen Problem

Deutschland baute über Jahre hinweg ungefähr 300.000 Wohnungen pro Jahr. Diese Größenordnung wird inzwischen deutlich verfehlt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 nur noch rund 206.000 Wohnungen fertiggestellt.

Gleichzeitig beziffert der Bau-Monitor den aktuellen Wohnungsmangel auf etwa 1,35 Millionen Einheiten.

Matthias Günther, Leiter des Pestel Instituts, das die Untersuchung für den BDB erstellt hat, sieht darin nicht nur eine soziale oder wohnungspolitische Herausforderung.

„Die Wirtschaft wächst nur, wenn mehr Wohnungen gebaut werden.“

Die Logik dahinter reicht von der direkten Wertschöpfung der Bauwirtschaft über Handwerksbetriebe und Baustoffhersteller bis hin zum Arbeitsmarkt.

Werden weniger Wohnungen gebaut, sinken Investitionen und Umsätze. Gleichzeitig verschärft sich in wirtschaftlich starken Regionen die Suche nach bezahlbarem Wohnraum.

Damit kann die Wohnungsfrage nach Einschätzung der Autoren selbst zu einem Hindernis für weiteres Wachstum werden.

In einigen Bundesländern fehlen Hunderttausende Wohnungen

Der Wohnungsmangel verteilt sich regional sehr unterschiedlich.

Laut den im Bau-Monitor genannten Zahlen fehlen allein in Nordrhein-Westfalen rund 364.000 Wohnungen.

Für Bayern wird der Fehlbestand auf etwa 220.000 Wohnungen beziffert, für Baden-Württemberg auf rund 201.000.

Auch die großen Stadtstaaten stehen unter Druck.

In Berlin fehlen demnach mindestens 58.000 Wohnungen, in Hamburg rund 23.000.

Besonders problematisch ist die Situation dort, wo ein starker Arbeitsmarkt auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt trifft.

Unternehmen können offene Stellen anbieten, doch potenzielle Beschäftigte müssen sich die Mieten in der betreffenden Region auch leisten können.

Günther bringt das Problem auf eine einfache Formel: Menschen gingen trotz vorhandener Arbeitsplätze nicht in eine Region, wenn sie dort keine bezahlbare Wohnung finden könnten.

Die Wohnungsnot werde damit unmittelbar zu einem Standort- und Arbeitsmarktproblem.

Wohnungsmangel verschärft den Fachkräftemangel

Für die alternde deutsche Gesellschaft erhält dieser Zusammenhang zusätzliche Bedeutung.

Deutschland benötigt nach Einschätzung der im Bericht zitierten Experten weiterhin erhebliche Zuwanderung, um den Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung auszugleichen.

Um eine Bevölkerung von ungefähr 80 Millionen Menschen langfristig auf diesem Niveau zu stabilisieren, wären demnach jährlich etwa 350.000 bis 500.000 Zuwanderer aus dem Ausland erforderlich.

Doch Arbeitsmigration funktioniert nur, wenn Beschäftigte auch Wohnraum finden.

„Ohne Wohnungsbau, ohne die Beseitigung des Wohnungsmangels wird es in Deutschland kein Wachstum geben“, warnt Günther.

Denn ohne Wohnungen könne auch die für den Arbeitsmarkt notwendige Zuwanderung nicht ausreichend funktionieren.

Damit verbindet der Bericht zwei häufig getrennt diskutierte Themen: Fachkräftemangel und Wohnungsbau.

Unternehmen können internationale Fachkräfte anwerben, doch wenn diese in Ballungsräumen oder wirtschaftlich starken Regionen keine bezahlbare Unterkunft finden, verliert der Standort an Attraktivität.

Migration ist nicht die einzige Ursache der Wohnungsnot

Der starke Bevölkerungszuwachs der vergangenen Jahre hat die Nachfrage nach Wohnungen erhöht.

Günther weist darauf hin, dass der Wohnungsbau mit der Migration in den vergangenen Jahren nicht Schritt gehalten habe und dies zur aktuellen Knappheit beigetragen habe.

Er warnt jedoch vor der Schlussfolgerung, Zuwanderung sei lediglich eine Belastung für den Wohnungsmarkt.

Ohne die Migration der vergangenen 15 Jahre wäre Deutschland aufgrund seiner demografischen Entwicklung wirtschaftlich erheblich stärker unter Druck geraten.

Günther zufolge hätte der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung ohne diese Zuwanderung wahrscheinlich bereits bei rund 22 Prozent liegen können.

Das Kernproblem sei daher nicht, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet werde.

„Wir arbeiten nicht zu wenig; wir haben zu wenige Menschen, die arbeiten können.“

Damit verschiebt sich die Debatte von der reinen Einwohnerzahl zur Frage, wie Deutschland gleichzeitig genügend Arbeitskräfte und genügend Wohnraum bereitstellen kann.

Mehr Baugenehmigungen, aber noch keine Entwarnung

Bei den Baugenehmigungen gibt es inzwischen erste Anzeichen einer Erholung.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im ersten Halbjahr 2026 Genehmigungen für rund 126.300 Wohneinheiten erteilt.

Das waren 15,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Für die Bauwirtschaft reichen diese Zahlen allerdings noch nicht aus, um von einer Trendwende zu sprechen.

Zwischen einer Baugenehmigung und der tatsächlichen Fertigstellung eines Wohngebäudes können Monate oder Jahre liegen. Hohe Baukosten, Finanzierungskosten, Grundstückspreise und regulatorische Anforderungen können zudem dazu führen, dass genehmigte Projekte verspätet oder gar nicht umgesetzt werden.

Deshalb blickt die Branche trotz der gestiegenen Genehmigungszahlen weiter skeptisch auf die tatsächlichen Fertigstellungen.

Branche rechnet 2026 nur noch mit 185.000 neuen Wohnungen

BDB-Präsidentin Katharina Metzger bezeichnete den Einbruch im Wohnungsbau als eine schwere Belastung für die Branche.

Nach ihrer Prognose könnten 2026 bundesweit nur noch etwa 185.000 neue Wohnungen fertiggestellt werden.

Damit würde die Zahl gegenüber den bereits niedrigen rund 206.000 Einheiten des Vorjahres nochmals sinken.

Metzger kritisiert in diesem Zusammenhang auch Pläne der Bundesregierung, die Fördermittel für den Wohnungsbau um 1,4 Milliarden Euro zu reduzieren.

Aus Sicht des Branchenverbandes müsste die Politik stattdessen Investitionen in Neubau und Sanierung deutlich ausweiten.

Die Bundesregierung dürfe keine weitere Zeit verlieren, argumentiert Metzger. Sowohl der Neubau als auch die Renovierung des bestehenden Gebäudebestands müssten in wesentlich größerem Umfang unterstützt werden.

Wohnungspolitik wird zur Wachstumsfrage

Der Bau-Monitor 2026 zeichnet damit ein Bild, in dem sich mehrere wirtschaftliche Herausforderungen gegenseitig verstärken.

Weniger Wohnungsbau führt zu geringerer Wertschöpfung in der Bauwirtschaft und zu niedrigeren Steuereinnahmen.

Der gleichzeitig wachsende Wohnungsmangel erschwert Beschäftigten den Umzug in wirtschaftlich starke Regionen.

Und wenn Deutschland internationale Fachkräfte benötigt, kann fehlender bezahlbarer Wohnraum zu einem zusätzlichen Hindernis für Zuwanderung und Integration in den Arbeitsmarkt werden.

Die steigenden Baugenehmigungen könnten mittelfristig eine Stabilisierung einleiten. Für 2026 erwartet die Branche jedoch zunächst eine weitere Verschlechterung bei den tatsächlichen Fertigstellungen.

Damit entwickelt sich die Wohnungsbaukrise zunehmend von einem Problem für Mieter, Bauunternehmen und Immobilienmärkte zu einer gesamtwirtschaftlichen Frage.

Nach Einschätzung des Pestel Instituts hängt ein Teil des künftigen deutschen Wachstums deshalb unmittelbar davon ab, ob es gelingt, wieder deutlich mehr Wohnungen zu bauen und insbesondere in wirtschaftlich starken Regionen ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

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Ahmet Taş

Ahmet Taş is a journalist, editor and Turkey Office Manager of the Wise News Press Media Group. He works across news, digital media and international publishing, focusing on accurate, responsible and accessible journalism. He contributes to the development of media projects that bring important political, social and global developments to a wider international audience.

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