Emine Erdoğan würdigt Widerstandskraft der Ukraine beim Gipfel in Kyjiw
Emine Erdoğan nahm per Videobotschaft am Gipfel in Kyjiw teil, würdigte die gesellschaftliche Widerstandskraft der Ukraine und wünschte Frieden.
Von Yusuf İNAN | Wise News Press
ANKARA, TÜRKEI — Emine Erdoğan, Ehefrau des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, hat in einer Videobotschaft an den 6. Gipfel der First Ladies und Gentlemen in Kyjiw den Zusammenhalt und die gesellschaftliche Widerstandskraft der ukrainischen Bevölkerung während des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges gewürdigt.
Erdoğan gratulierte der Ukraine zugleich zum 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit und wünschte der Bevölkerung Frieden, Sicherheit und Wohlergehen. Sie dankte außerdem Olena Selenska, Ehefrau des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, für die Ausrichtung des Gipfels und bezeichnete den internationalen Erfahrungsaustausch als wichtigen Beitrag zur Bewältigung globaler Krisen.
Erdoğan würdigt den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Ukraine
Ein zentraler Teil der Botschaft von Emine Erdoğan befasste sich mit der Frage, wie die ukrainische Gesellschaft trotz der Belastungen des Krieges ihren Alltag und ihren sozialen Zusammenhalt aufrechterhält.
Erdoğan bezeichnete die Einheit und Solidarität der Ukrainer als ein aktuelles Beispiel dafür, wie Gesellschaften schwere Prüfungen durch gemeinschaftliche Widerstandskraft bewältigen können.
Sie verwies darauf, dass Kinder trotz der Kriegsbedingungen ihre Ausbildung fortsetzten und Frauen in zahlreichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Verantwortung übernähmen.
Die ukrainische Bevölkerung setze sich weiterhin für ihre Zukunft ein und zeige damit, welche Bedeutung gesellschaftlicher Zusammenhalt in lang anhaltenden Krisenzeiten habe.
Anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstages übermittelte Erdoğan zudem ihre Glückwünsche zum 35. Jahrestag der staatlichen Unabhängigkeit.
Sie wünsche dem ukrainischen Volk Frieden, Ruhe und Wohlergehen, erklärte Erdoğan in ihrer Videobotschaft.
Gipfel stellt gesellschaftliche Resilienz in den Mittelpunkt
Der in Kyjiw veranstaltete 6. Gipfel der First Ladies und Gentlemen widmete sich in diesem Jahr insbesondere der gesellschaftlichen Widerstandskraft in Zeiten von Krieg, Krisen, Katastrophen und politischer Unsicherheit.
Emine Erdoğan erklärte, jede Gesellschaft verfüge über eine eigene Wertewelt, die von Geschichte, Glauben und kollektivem Gedächtnis geprägt werde.
Für die türkische Gesellschaft seien unter anderem Freiwilligenarbeit, Wohltätigkeit und Solidarität wichtige Bestandteile dieser kulturellen Grundlage.
Starke zwischenmenschliche Beziehungen könnten nach ihren Worten dazu beitragen, dass Gesellschaften auch unter außergewöhnlichem Druck handlungsfähig blieben.
Erdoğan verwies zugleich auf eine Entwicklung moderner Gesellschaften, in denen Menschen trotz großer sozialer Räume und dichter Bevölkerungsstrukturen zunehmend Einsamkeit erlebten.
Je schwächer die Verbindungen zwischen Menschen würden, desto stärker könne auch die Widerstandsfähigkeit einer Gesellschaft in Krisenzeiten abnehmen.
Türkische Tradition der Solidarität als Beispiel
In ihrer Ansprache ging Erdoğan ausführlich auf die historische Tradition gesellschaftlicher Hilfe in der Türkei ein.
Sie erinnerte daran, dass während der osmanischen Zeit mehr als 26.000 Stiftungen gegründet worden seien. Aufgrund dieser ausgeprägten Stiftungskultur werde die damalige gesellschaftliche Ordnung teilweise als eine „Zivilisation der Stiftungen“ bezeichnet.
Diese Einrichtungen hätten sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllt. Dazu hätten die Betreuung älterer Menschen, der Schutz von Waisen, die Unterstützung verschuldeter Personen und sogar die Versorgung verletzter oder kranker Tiere gehört.
Erdoğan führte diese Tradition auf ein gesellschaftliches Verständnis zurück, wonach Hilfe nicht ausschließlich auf das unmittelbare persönliche Umfeld begrenzt sein sollte.
Sie verwies außerdem auf das türkische Konzept der „Hamilik“, das Schutz, Fürsorge und Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen umfasst.
Diese über Jahrhunderte gewachsenen Erfahrungen hätten dazu beigetragen, sowohl Freude als auch Leid gemeinsam zu tragen und gegenseitige Hilfe zu einem festen Bestandteil gesellschaftlichen Handelns zu machen.
Erdbeben vom 6. Februar als Beispiel für gesellschaftliche Solidarität
Als jüngeres Beispiel für die Bedeutung sozialer Bindungen nannte Emine Erdoğan die schweren Erdbeben vom 6. Februar 2023 in der Türkei.
Bei der Katastrophe kamen mehr als 50.000 Menschen ums Leben, während große Gebiete im Süden des Landes schwer zerstört wurden.
Erdoğan sagte, die umfangreiche gesellschaftliche Solidarität nach den Erdbeben habe gezeigt, welche Kraft Gemeinschaften entwickeln könnten, wenn Menschen in außergewöhnlichen Situationen füreinander Verantwortung übernähmen.
Die Hilfsbereitschaft nach der Katastrophe sei ein Beispiel für die Vorstellung gewesen, dass Menschen einander Schutz, Sicherheit und Halt geben könnten.
Nach Ansicht Erdoğans besteht eine der wichtigsten Ressourcen einer Gesellschaft daher in ihrer Fähigkeit, in schwierigen Zeiten gemeinsam zu handeln.
Sie stellte dabei nicht nur staatliche Institutionen und Infrastruktur in den Mittelpunkt, sondern auch Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung.
Türkei und Ukraine als unterschiedliche Beispiele gesellschaftlicher Resilienz
Erdoğan stellte in ihrer Botschaft die Erfahrungen der Türkei nach einer Naturkatastrophe und die Situation der Ukraine während des Krieges als unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Widerstandskraft dar.
Die jeweiligen Bedingungen seien nicht miteinander gleichzusetzen. Beide Beispiele zeigten jedoch, wie wichtig sozialer Zusammenhalt sei, wenn Gesellschaften über längere Zeit außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt seien.
Für die Ukraine hob Erdoğan insbesondere die Fortsetzung des Bildungsbetriebs, die Rolle von Frauen in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen sowie die Bemühungen der Bevölkerung hervor, den Alltag trotz des Krieges aufrechtzuerhalten.
Für die Türkei verwies sie auf die landesweite Mobilisierung von Hilfsorganisationen, freiwilligen Helfern und Bürgern nach den Erdbeben von 2023.
Solche Erfahrungen machten deutlich, dass gesellschaftliche Resilienz eng mit Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühl und gegenseitiger Unterstützung verbunden sei.
Gleichzeitig unterstrich Erdoğan die Bedeutung kultureller Unterschiede. Verschiedene Gesellschaften könnten jeweils eigene Wege entwickeln, um mit Krisen umzugehen und ihre sozialen Strukturen zu schützen.
Internationale Erfahrungen sollen bei künftigen Krisen helfen
Zum Abschluss ihrer Videobotschaft bezeichnete Emine Erdoğan den Austausch beim Gipfel als wichtigen Beitrag zu einer gemeinsamen Zukunft.
Die Erfahrungen unterschiedlicher Länder und Kulturen könnten nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, Antworten auf die tiefgreifenden Krisen zu finden, mit denen Gesellschaften weltweit konfrontiert seien.
Erdoğan erklärte später auch in einem Beitrag in den sozialen Medien, sie freue sich über ihre Teilnahme per Videobotschaft an dem in Kyjiw veranstalteten Gipfel.
Sie äußerte die Hoffnung, dass die dort vorgestellten Erfahrungen und gesellschaftlichen Modelle anderen Ländern dabei helfen könnten, ihre eigene Widerstandskraft gegenüber Krieg, Naturkatastrophen und anderen außergewöhnlichen Belastungen zu stärken.
Der von Olena Selenska initiierte Gipfel der First Ladies und Gentlemen hat sich seit seiner Gründung zu einer internationalen Plattform entwickelt, auf der humanitäre, soziale und gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden.
Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Gesundheit, Bildung, Kinderrechte, psychische Widerstandskraft und die Frage, wie Gesellschaften auch in Krisenzeiten funktionsfähig bleiben können.
Mit ihrer Teilnahme stellte Emine Erdoğan sowohl historische Traditionen der Solidarität in der Türkei als auch die aktuelle Widerstandskraft der ukrainischen Bevölkerung heraus.
Ihre Botschaft ordnete die Erfahrungen der Ukraine damit in eine umfassendere internationale Debatte darüber ein, wie Gesellschaften Vertrauen, Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit auch unter lang anhaltenden Bedingungen von Krieg und Unsicherheit bewahren können.
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