AfD soll Gespräche über russisches Gas und Nord Stream mit Moskau planen

AfD-Chefs sollen laut Reuters für März 2027 Gespräche mit Kirill Dmitrijew über russisches Gas und eine Wiederöffnung von Nord Stream planen.

18. September 2026 - 21:32
0
AfD soll Gespräche über russisches Gas und Nord Stream mit Moskau planen

Von Ahmet Taş | Wise News Press

BERLIN, DEUTSCHLAND — Laut Reuters soll die in Umfragen führende AfD für März 2027 ein Treffen mit Putins Wirtschaftsbeauftragtem Kirill Dmitrijew über die Rückkehr russischer Gaslieferungen nach Deutschland vorbereiten.

Zwei mit den Planungen vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur, dass bei dem möglichen Treffen auch eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines erörtert werden solle. Weder die AfD noch ein Vertreter Dmitrijews bestätigten die Vorbereitungen. Termin, Ort und Teilnehmerkreis sind daher bislang nicht offiziell festgelegt.

Treffen könnte im März 2027 stattfinden

An dem geplanten Gespräch sollen nach Angaben einer Reuters-Quelle der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew sowie die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla teilnehmen. Dmitrijew gilt als enger Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin und leitet den staatlichen Russischen Direktinvestitionsfonds.

Die Zusammenkunft könnte dem Bericht zufolge frühestens im März 2027 stattfinden. Als mögliche Tagungsorte würden Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien geprüft. Eine endgültige Entscheidung über das Gastgeberland sei noch nicht gefallen.

Ein Sprecher der AfD und ein Vertreter Dmitrijews lehnten gegenüber Reuters eine Stellungnahme zu den Vorbereitungen ab. Damit bleibt offen, wie weit die Gespräche über eine mögliche Zusammenkunft fortgeschritten sind und ob bereits formelle Einladungen verschickt wurden.

Das Treffen hätte zunächst vor allem politische und symbolische Bedeutung. Die AfD gehört nicht der Bundesregierung an und besitzt daher kein Mandat, im Namen Deutschlands Vereinbarungen über Energieimporte, Sanktionen oder den Betrieb der Nord-Stream-Pipelines zu schließen.

Friedensrahmen soll eine Voraussetzung sein

Eine der mit den Planungen vertrauten Personen erklärte, das Treffen solle nur stattfinden, wenn Russland und die Ukraine zuvor einen Rahmen für einen möglichen Frieden vereinbart hätten. Ob und wann eine solche Vereinbarung zustande kommen könnte, ist gegenwärtig nicht absehbar.

Die Organisatoren hofften laut Reuters zudem, Vertreter der AfD, Russlands und der Vereinigten Staaten an einen Tisch zu bringen. Als mögliche US-Teilnehmer seien der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, genannt worden.

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter widersprach allerdings dem Eindruck einer bereits abgestimmten Beteiligung. Witkoff und Kushner seien über das vorgeschlagene Treffen weder informiert noch dazu eingeladen worden, sagte der Beamte der Nachrichtenagentur.

Damit besteht auch bei der möglichen Beteiligung der Vereinigten Staaten keine bestätigte Zusage. Die bisher bekannten Angaben stammen aus dem Umfeld der Organisatoren und wurden von den genannten amerikanischen Vertretern nicht bestätigt.

Nord Stream steht im Mittelpunkt der Debatte

Bei dem möglichen Treffen soll insbesondere über die Zukunft der Nord-Stream-Pipelines gesprochen werden. Die Leitungen wurden errichtet, um russisches Erdgas durch die Ostsee direkt nach Deutschland zu transportieren.

Die beiden Stränge von Nord Stream 1 wurden bei den Explosionen im September 2022 schwer beschädigt. Nord Stream 2 war bereits fertiggestellt, wurde von Deutschland jedoch nicht genehmigt und nahm den kommerziellen Betrieb nie auf. Nach den Explosionen soll einer der beiden Stränge von Nord Stream 2 technisch unbeschädigt geblieben sein.

Eine Wiederinbetriebnahme wäre dennoch nicht allein von technischen Reparaturen abhängig. Sanktionen gegen Russland, deutsche und europäische Genehmigungsverfahren, Eigentumsfragen sowie sicherheitspolitische Entscheidungen würden eine zentrale Rolle spielen.

Auch die Haltung der Bundesregierung und der Europäischen Union wäre entscheidend. Eine Oppositionspartei könnte weder die geltenden Sanktionen aufheben noch den Betrieb der Leitungen eigenständig genehmigen. Ein Treffen der AfD mit russischen Vertretern könnte deshalb zunächst nur politische Forderungen formulieren.

AfD fordert eine Normalisierung mit Russland

Die AfD setzt sich für ein Ende der Sanktionen auf russische Energielieferungen und eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau ein. Sie verlangt außerdem, die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine zu reduzieren oder einzustellen.

Alice Weidel hatte sich bereits in einem Interview mit Reuters dafür ausgesprochen, den Boykott von russischem Öl und Erdgas zu beenden. Nach Darstellung der AfD seien niedrige Energiepreise ein wichtiger Bestandteil des früheren wirtschaftlichen Erfolgs Deutschlands gewesen.

Im Juni 2026 führte auch der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, Gespräche mit Dmitrijew und dem Vorstandsvorsitzenden des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller. Frohnmaier erklärte anschließend, eine vollständige Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen und die Zukunft von Nord Stream seien Gegenstand der Gespräche gewesen.

Gazprom bestätigte damals das Treffen. Das Auswärtige Amt hatte AfD-Politikern nach Angaben von Reuters ausdrücklich von entsprechenden Reisen nach Russland abgeraten.

Die nun beschriebenen Vorbereitungen würden damit an bereits bestehende Kontakte zwischen AfD-Vertretern und russischen Regierungs- beziehungsweise Energiekreisen anknüpfen.

Russisches Gas prägte Deutschlands Energieversorgung

Vor dem groß angelegten russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 war Russland einer der wichtigsten Energielieferanten Deutschlands. Nach Angaben von Reuters stammten damals mehr als ein Drittel der deutschen Rohölimporte und mehr als die Hälfte der Erdgasimporte aus Russland.

Mit dem Krieg, den westlichen Sanktionen und der Einstellung der Lieferungen über Nord Stream musste Deutschland seine Energieversorgung innerhalb kurzer Zeit umstellen. Die Bundesregierung setzte verstärkt auf Flüssigerdgas, neue LNG-Terminals, Lieferungen aus Norwegen und weitere Bezugsquellen.

Die Umstellung verringerte die unmittelbare Abhängigkeit von Russland, war aber mit erheblichen Kosten verbunden. Steigende Energiepreise belasteten zeitweise private Haushalte und besonders energieintensive Unternehmen.

Die AfD führt diese wirtschaftlichen Belastungen als Argument für eine Rückkehr zu russischem Gas an. Kritiker entgegnen, dass eine erneute Abhängigkeit Deutschland politisch erpressbar machen und die gemeinsame europäische Haltung gegenüber Russland schwächen könnte.

Deutsche Politiker warnen vor neuer Abhängigkeit

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Michael Kellner wandte sich gegen eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen. Deutschland dürfe nicht erneut von Russland abhängig werden, sagte der frühere Staatssekretär, der während der Energiekrise für zentrale Fragen der deutschen Energiepolitik zuständig war.

Nach Kellners Darstellung verursachte die Bewältigung der damaligen Energiekrise Kosten von etwa 50 Milliarden Euro. Eine Rückkehr zur früheren Abhängigkeit bezeichnete er als schweren politischen Fehler. Putin versuche, die AfD für russische Interessen zu nutzen, argumentierte Kellner.

Auch Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter der regierenden Christlich Demokratischen Union, kritisierte die möglichen Gespräche. Russland nutze Energie und insbesondere Nord Stream als politisches und hybrides Druckmittel. Eine Wiedereröffnung könne die europäische Sicherheit gefährden und Deutschland innerhalb seiner Bündnisse isolieren.

Unterstützung erhielt die Gesprächsidee dagegen von Robert Agee, dem Präsidenten der Amerikanischen Handelskammer in Russland. Die Beteiligung Deutschlands als bedeutender europäischer Volkswirtschaft könne nach seiner Einschätzung eine breitere Plattform für internationale Gespräche schaffen.

Wachsende AfD-Stärke erhöht die politische Bedeutung

Die AfD hat ihre Unterstützung bei Wahlen und in bundesweiten Umfragen deutlich ausgebaut. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern stößt ihre Forderung nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland auf Zustimmung.

Der Erfolg der Partei erhöht das politische Gewicht ihrer außen- und energiepolitischen Positionen. Eine direkte Regierungsbeteiligung auf Bundesebene bleibt jedoch aus, weil die etablierten Parteien eine Koalition oder institutionelle Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin ablehnen.

Die Diskussion über russisches Gas fällt zugleich in eine Phase wachsender gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über die deutsche Ukraine-Politik. Während ein Teil der Bevölkerung die weitere Unterstützung Kyjiws befürwortet, verlangen andere eine Reduzierung der Hilfen und neue Verhandlungen mit Moskau.

Ob das geplante Treffen tatsächlich im März 2027 stattfindet, hängt nach Darstellung der Quellen von der Entwicklung des Krieges, möglichen Friedensgesprächen und der Zustimmung der vorgesehenen Teilnehmer ab. Solange AfD und Dmitrijew die Vorbereitungen nicht bestätigen, bleibt die Zusammenkunft eine nicht offiziell bestätigte Planung.

WiseNewsPress.com

Was ist Deine Reaktion?

Gefällt mir Gefällt mir 0
Gefällt mir nicht Gefällt mir nicht 0
Liebe Liebe 0
Lustig Lustig 0
Wow Wow 0
Traurig Traurig 0
Wütend Wütend 0
Ahmet Taş

Ahmet Taş is a journalist, editor and Turkey Office Manager of the Wise News Press Media Group. He works across news, digital media and international publishing, focusing on accurate, responsible and accessible journalism. He contributes to the development of media projects that bring important political, social and global developments to a wider international audience.

Kommentare (0)

User