Macron sagt Ukraine neue Abfangraketen nach Angriff auf Krywyj Rih zu

Frankreich beschleunigt neue Abfangraketen für die Ukraine, nachdem ein russischer Drohnenangriff auf Krywyj Rih mindestens 16 Menschen tötete.

22. August 2026 - 22:28
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Macron sagt Ukraine neue Abfangraketen nach Angriff auf Krywyj Rih zu

Von Ahmet Taş | Wise News Press

PARIS, FRANKREICH — Frankreich will der Ukraine zusätzliche Abfangraketen liefern und weitere Luftabwehrhilfe beschleunigen, nachdem ein russischer Drohnenangriff auf Krywyj Rih mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt hat.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte die verstärkte Unterstützung am Samstag nach einem fast zweistündigen Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Im Mittelpunkt standen nach Angaben beider Staatschefs die Luftverteidigung der Ukraine, zusätzliche Abfangraketen, die Finanzierung militärischer Unterstützung sowie die weitere Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und europäischen Partnern.

Macron sagt zusätzliche Abfangraketen zu

Macron erklärte nach dem Gespräch, es sei entscheidend, der Ukraine alle notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie ihren Luftraum schützen und die russischen Angriffe abwehren könne.

Nach Angaben Selenskyjs verständigten sich beide Präsidenten darauf, die Lieferung der neuesten französischen Verteidigungssysteme und Abfangraketen zu beschleunigen.

Frankreich will sich zudem bei Partnerstaaten dafür einsetzen, zusätzliche Luftverteidigungskapazitäten bereitzustellen. Besonderes Augenmerk liegt auf Beständen des amerikanischen Patriot-Systems, das für die Abwehr russischer ballistischer Raketen von zentraler Bedeutung ist.

Selenskyj erklärte, Macron habe außerdem die französische Bereitschaft bestätigt, Möglichkeiten für eine Lizenzproduktion von Abfangmunition in der Ukraine zu unterstützen.

Damit würde sich die Zusammenarbeit nicht mehr ausschließlich auf die Lieferung fertiger Systeme beschränken. Langfristig könnte die Ukraine einen größeren Teil der für ihre Luftverteidigung benötigten Munition selbst oder gemeinsam mit europäischen Partnern herstellen.

Angriff auf Krywyj Rih tötet mindestens 16 Menschen

Die französische Zusage folgte auf einen der schwersten russischen Angriffe auf eine ukrainische Stadt in den vergangenen Tagen.

Mehrere russische Drohnen trafen am Freitag ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih, der Heimatstadt Selenskyjs in der Zentralukraine.

Nach aktuellen Angaben ukrainischer Behörden wurden mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt. Unter den Verletzten befanden sich laut dem regionalen Gouverneur Oleksandr Hanzha 22 Kinder. 29 Verletzte befanden sich zeitweise in ernstem Zustand, darunter fünf Kinder.

Besondere Empörung löste die Art des Angriffs aus.

Nach ukrainischen Angaben folgte etwa 30 Minuten nach dem ersten Einschlag eine zweite Drohne, als Rettungskräfte bereits am Tatort arbeiteten. Selenskyj bezeichnete das Vorgehen als einen gezielten sogenannten „Double-Tap“-Angriff.

Macron erklärte nach dem Angriff, er habe Selenskyj seine Bestürzung und tiefe Besorgnis übermittelt.

Auch Vertreter der Europäischen Union verurteilten die Attacke scharf.

Ukraines Luftabwehr bleibt unter hohem Druck

Kiew fordert seine Partner seit Monaten auf, schneller zusätzliche Luftabwehrsysteme und insbesondere Abfangraketen bereitzustellen.

Russland setzt bei seinen Angriffen inzwischen regelmäßig eine Kombination aus Langstreckendrohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen ein. Dadurch muss die Ukraine gleichzeitig große Mengen vergleichsweise günstiger Drohnen bekämpfen und deutlich schwierigere ballistische Ziele abfangen.

Gerade gegen ballistische Raketen verfügt die Ukraine nur über eine begrenzte Zahl geeigneter Systeme.

Die US-amerikanischen Patriot-Systeme spielen deshalb weiterhin eine zentrale Rolle. Selenskyj erklärte zuletzt mehrfach, die verfügbaren Bestände an Patriot-Abfangraketen reichten angesichts der Intensität russischer Angriffe nicht aus.

Frankreich und Italien haben daneben das europäische Luftverteidigungssystem SAMP/T entwickelt. Die modernisierte Version SAMP/T-NG soll die Fähigkeiten insbesondere gegen ballistische Bedrohungen erweitern.

Nach Reuters-Informationen erwartet die Ukraine die neue Generation allerdings nicht vor dem Frühjahr kommenden Jahres.

Frankreich unterstützt auch Produktion von Abfangmunition

Für Kiew gewinnt deshalb die europäische Eigenproduktion zunehmend an Bedeutung.

Selenskyj erklärte nach seinem Gespräch mit Macron, Frankreich sei bereit, die Lizenzierung einer Produktion von Abfangmunition in der Ukraine zu unterstützen.

Dazu gehört perspektivisch auch Munition aus der Aster-Familie, die in den französisch-italienischen SAMP/T-Systemen eingesetzt wird.

Eine Produktion oder Montage in der Ukraine könnte mehrere strategische Vorteile bieten: kürzere Lieferketten, geringere Abhängigkeit von politischen Entscheidungen einzelner Lieferstaaten und langfristig größere Vorräte an Abfangraketen.

Frankreich gehört außerdem zu den zehn Staaten, die im Juli die Integrated Anti-Ballistic Missile Defence Coalition ins Leben gerufen haben.

Das europäische Projekt soll neue Fähigkeiten gegen ballistische Raketen entwickeln und zugleich die Erfahrungen der Ukraine aus mehr als vier Jahren intensiver russischer Luftangriffe in eine zukünftige europäische Raketenabwehrarchitektur einbeziehen.

Macron will den Druck auf Russland erhöhen

Die französische Unterstützung bleibt nicht auf Waffenlieferungen beschränkt.

Macron erklärte nach seinem Gespräch mit Selenskyj, der Druck auf Russland müsse weiter erhöht werden, solange Moskau die Kämpfe nicht einstelle und keinen Weg zu einem dauerhaften Frieden einschlage.

Frankreich gehört gemeinsam mit Großbritannien und Deutschland zu den führenden Staaten der sogenannten Koalition der Willigen.

Das Bündnis arbeitet sowohl an der kurzfristigen militärischen Unterstützung der Ukraine als auch an Sicherheitsgarantien für die Zeit nach einem möglichen Waffenstillstand.

Am Montag soll erneut ein Treffen der Koalition stattfinden. Macron, der britische Premierminister Andy Burnham und Bundeskanzler Friedrich Merz sollen die Beratungen gemeinsam leiten; Selenskyj wird ebenfalls teilnehmen.

Neben Luftverteidigung und Waffenlieferungen dürfte dabei erneut die Frage im Mittelpunkt stehen, wie Russland wirtschaftlich und militärisch unter Druck gesetzt werden kann und welche Sicherheitsgarantien einen erneuten Angriff nach einem möglichen Waffenstillstand verhindern könnten.

Ukraine intensiviert Angriffe tief in Russland

Während die Ukraine ihre Partner um zusätzliche Luftverteidigung bittet, hat sie zugleich ihre eigenen Langstreckenangriffe auf russisches Territorium verstärkt.

Ukrainische Drohnen griffen in der Nacht zum Samstag mehrere Ziele in Russland und in von Russland kontrollierten ukrainischen Gebieten an.

Die Ukraine erklärte, unter anderem die Ölraffinerie von Nowokuibyschewsk in der Region Samara angegriffen zu haben. Nach Angaben russischer und ukrainischer Quellen brach dort ein Feuer aus. Außerdem wurden weitere Industrie- und Logistikanlagen getroffen.

Kiew bezeichnet Angriffe auf russische Raffinerien, Öldepots und andere wirtschaftlich relevante Anlagen als „Langstrecken-Sanktionen“.

Das strategische Ziel besteht darin, Einnahmen und Infrastruktur zu treffen, die nach ukrainischer Darstellung Russlands Kriegsführung finanzieren und versorgen.

Die Angriffe zeigen zugleich, wie stark sich der Luftkrieg inzwischen in beide Richtungen ausgeweitet hat.

Russland greift ukrainische Städte, Energieanlagen und Infrastruktur mit Drohnen und Raketen an, während die Ukraine ihre Reichweite nutzt, um Ölraffinerien, Logistikzentren und andere wirtschaftlich oder militärisch relevante Ziele weit hinter der russischen Grenze zu treffen.

Luftverteidigung wird zum Schlüssel der nächsten Kriegsphase

Der Angriff auf Krywyj Rih unterstreicht erneut die zentrale Bedeutung der Luftverteidigung für die weitere Entwicklung des Krieges.

Für die Ukraine geht es dabei längst nicht mehr ausschließlich um einzelne zusätzliche Systeme.

Entscheidend werden ausreichende Mengen an Abfangraketen, eine kontinuierliche europäische Produktion, eigene ukrainische Fertigungsmöglichkeiten und eine engere Vernetzung verschiedener westlicher Luftverteidigungssysteme.

Frankreichs Entscheidung, Lieferungen zu beschleunigen und eine Lizenzproduktion zu unterstützen, weist deshalb über eine einzelne Waffenlieferung hinaus.

Wenn Europa seine Produktionskapazitäten ausbaut und gleichzeitig ukrainische Hersteller stärker einbindet, könnte daraus langfristig eine eigenständigere europäisch-ukrainische Luftverteidigungsarchitektur entstehen.

Kurzfristig bleibt die Lage jedoch akut.

Der Angriff auf Krywyj Rih hat erneut gezeigt, dass russische Drohnen und Raketen weiterhin hohe Opferzahlen unter der ukrainischen Zivilbevölkerung verursachen können.

Für Kiew lautet die zentrale Forderung deshalb weiterhin: Mehr Systeme allein reichen nicht — entscheidend sind genügend Abfangraketen, und sie müssen rechtzeitig verfügbar sein.

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Ahmet Taş

Ahmet Taş is a journalist, editor and Turkey Office Manager of the Wise News Press Media Group. He works across news, digital media and international publishing, focusing on accurate, responsible and accessible journalism. He contributes to the development of media projects that bring important political, social and global developments to a wider international audience.

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