DFB-Pokal-Derby eskaliert: 120 Verletzte bei Mannheim gegen Lautern

Beim Pokal-Derby Waldhof Mannheim gegen Kaiserslautern wurden 85 Menschen und 35 Polizisten verletzt; DFB und Polizei ermitteln.

22. August 2026 - 23:48
0
DFB-Pokal-Derby eskaliert: 120 Verletzte bei Mannheim gegen Lautern

Von Yusuf İnan | Wise News Press

MANNHEIM, DEUTSCHLAND — Beim DFB-Pokal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern sind nach schweren Ausschreitungen 85 Menschen medizinisch behandelt und 35 Polizeikräfte verletzt worden.

Das ausverkaufte Carl-Benz-Stadion mit rund 23.500 Zuschauern wurde am Freitagabend zum Schauplatz von Pyrotechnik, Feuerwerksraketen, einem Platzsturm und einem massiven Polizeieinsatz. Zeitweise stand sogar ein Spielabbruch im Raum. Nach einer langen Unterbrechung wurde die Partie fortgesetzt; Kaiserslautern gewann schließlich durch ein Tor von Ibrahim Kanaté in der 120. Minute mit 1:0.

85 Menschen behandelt, 35 Polizeikräfte verletzt

Nach der vorläufigen Bilanz des Polizeipräsidiums Mannheim mussten 85 Personen medizinisch versorgt werden. Acht von ihnen wurden zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser gebracht.

Zusätzlich wurden 33 Beamte der Bundespolizei und zwei Angehörige der Landespolizei Baden-Württemberg leicht verletzt. Damit liegt die Gesamtzahl der bei den Ereignissen verletzten oder medizinisch behandelten Personen bei 120.

Nach Angaben der Polizei waren rund 1.400 Einsatzkräfte für die als besonders brisant eingestufte Begegnung im Einsatz. Unter den rund 23.500 Zuschauern befanden sich etwa 3.500 Gästefans aus Kaiserslautern.

Die Phase vor dem Spiel verlief laut Polizei weitgehend ohne größere Zwischenfälle. Auch ein Fanmarsch von rund 2.000 Kaiserslautern-Anhängern von Ludwigshafen nach Mannheim verlief ohne nennenswerte Störungen.

Pyrotechnik sorgte schon nach wenigen Minuten für Unterbrechung

Die angespannte Atmosphäre zeigte sich allerdings unmittelbar nach dem Anpfiff.

Bereits in der dritten Minute musste Schiedsrichter Robert Schröder die Partie wegen Pyrotechnik und dichter Rauchentwicklung unterbrechen. Aus dem Gästeblock waren Feuerwerkskörper gezündet worden; auch auf Mannheimer Seite wurden Gegenstände und später Pyrotechnik eingesetzt.

Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, konnte das Spiel zunächst fortgesetzt werden.

Sportlich blieb das Südwest-Derby über 90 Minuten torlos. Doch unmittelbar nach Ende der regulären Spielzeit eskalierte die Situation.

Zunächst gerieten Spieler beider Mannschaften auf dem Spielfeld aneinander. Nach Angaben der Polizei warfen Personen von der Haupttribüne Becher in Richtung der Kaiserslauterer Ersatzbank.

Daraufhin wurden aus dem Gästeblock Feuerwerksraketen in Richtung anderer Tribünenbereiche abgefeuert.

Fans stürmten auf das Spielfeld

Als Reaktion auf die Feuerwerksraketen überwanden Teile der Mannheimer Anhängerschaft Absperrungen und gelangten in den Innenraum des Stadions.

Die Mannschaften wurden daraufhin in die Kabinen geschickt.

Polizeikräfte rückten in großer Zahl auf das Spielfeld und in Richtung der Fanblöcke vor. Auch berittene Einheiten kamen zum Einsatz, um eine direkte Konfrontation der Fangruppen zu verhindern und die Zuschauer wieder in ihre Bereiche zurückzudrängen.

Nach Polizeiangaben wurden während des Einsatzes auch Einsatzkräfte mit Pyrotechnik und Feuerwerksraketen beworfen.

Die Sicherheitsbehörden betonten zugleich, dass die konsequente Trennung beider Fangruppen eine größere direkte Auseinandersetzung verhindert habe.

Spielabbruch stand unmittelbar im Raum

Die Verantwortlichen beider Vereine, Schiedsrichter und Sicherheitskräfte berieten während der Unterbrechung darüber, ob die Begegnung überhaupt fortgesetzt werden könne.

Das Spiel stand zeitweise unmittelbar vor dem Abbruch.

Der Stadionsprecher warnte die Zuschauer, dass bereits ein weiterer schwerwiegender Zwischenfall zum endgültigen Ende der Partie führen könne. Erst mehr als eine halbe Stunde nach dem Ende der regulären Spielzeit begann die Verlängerung.

Danach blieb die Lage weitgehend unter Kontrolle.

Sportlich entschied Kaiserslautern die Begegnung praktisch mit der letzten Möglichkeit. Der eingewechselte Ibrahim Kanaté traf in der 120. Minute zum 1:0 und brachte den Zweitligisten damit in die zweite Runde des DFB-Pokals.

Nach dem Treffer wurde im Gästeblock erneut Pyrotechnik gezündet, weitere Ausschreitungen vergleichbarer Größenordnung wurden jedoch zunächst nicht registriert.

Polizei ermittelt wegen mehrerer Straftaten

Die Ereignisse haben nun strafrechtliche Konsequenzen.

Das Polizeipräsidium Mannheim leitete Ermittlungen unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, Angriffen auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ein.

Videoaufnahmen aus dem Stadion und weitere Beweismittel sollen ausgewertet werden, um einzelne Tatverdächtige zu identifizieren und den Ablauf der Ausschreitungen zu rekonstruieren.

Eine zentrale Frage der weiteren Untersuchung dürfte auch sein, wie trotz umfangreicher Sicherheitskontrollen eine größere Menge an Pyrotechnik und Feuerwerkskörpern in das Stadion gelangen konnte.

Beide Vereine verurteilen die Gewalt

Der SV Waldhof Mannheim reagierte am Samstag mit einer offiziellen Stellungnahme und verurteilte die Ereignisse nach eigenen Angaben „aufs Schärfste“.

Der Verein erklärte, gezielt gegen Menschen eingesetzte Pyrotechnik, das Überwinden von Absperrungen und das Betreten des Innenraums seien durch nichts zu rechtfertigen.

Waldhof kündigte an, die Vorfälle gemeinsam mit den zuständigen Stellen vollständig aufzuarbeiten und dabei auch den eigenen Verantwortungsbereich kritisch zu überprüfen. Gespräche mit Fangruppen sollen ebenfalls geführt werden.

Auch der 1. FC Kaiserslautern distanzierte sich deutlich von den Ausschreitungen.

Der FCK erklärte, ein Derby lebe zwar von Emotionen und Rivalität, doch Gewalt und der Einsatz von Pyrotechnik, durch die andere Personen gefährdet werden, seien mit den Werten des Vereins nicht vereinbar.

Kaiserslautern kündigte ebenfalls eine gemeinsame Aufarbeitung mit Waldhof Mannheim, dem DFB, den Sicherheitsbehörden und den eigenen Fans an.

DFB kündigt Untersuchung der Vorfälle an

Neben den polizeilichen Ermittlungen beschäftigt sich nun auch der Deutsche Fußball-Bund mit den Ausschreitungen.

Nach Angaben von Tagesschau und SWR will der DFB die Vorgänge umfassend untersuchen. Spielberichte, Sicherheitsprotokolle und mögliche Sonderberichte des Schiedsrichterteams dürften dabei eine wichtige Rolle spielen.

Für beide Vereine könnten sportrechtliche Konsequenzen folgen.

Waldhof Mannheim war bereits im Mai wegen eines Knallkörpers aus dem eigenen Fanblock vom DFB-Sportgericht mit einer Geldstrafe von 12.000 Euro belegt worden. Der betreffende Vorfall hatte beim Drittligaspiel gegen Rot-Weiss Essen zu einer langen Spielunterbrechung und zur Auswechslung des Essener Torhüters geführt.

Welche Sanktionen aus dem aktuellen Pokalspiel folgen, ist noch offen.

Ausschreitungen überschatten den sportlichen Derbyabend

Die Ereignisse von Mannheim stellen die Sicherheitskonzepte bei besonders emotionalen Fußballspielen erneut zur Diskussion.

Auf der einen Seite waren rund 1.400 Polizeikräfte eingesetzt worden und die Fangruppen konnten außerhalb des Stadions weitgehend voneinander getrennt werden. Auf der anderen Seite gelangten erhebliche Mengen an Pyrotechnik in das Stadion und wurden teilweise gezielt in Richtung anderer Menschen eingesetzt.

Dass die Begegnung trotz der Eskalation beendet werden konnte, verhindert nicht die umfangreiche juristische und sportrechtliche Aufarbeitung.

Für Kaiserslautern bleibt sportlich der Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals.

Doch das traditionsreiche Südwest-Derby wird weniger wegen Kanatés Siegtreffer in der 120. Minute in Erinnerung bleiben als wegen 120 verletzten oder medizinisch behandelten Menschen, eines Platzsturms und massiver Gewalt im Stadion.

WiseNewsPress.com

Was ist Deine Reaktion?

Gefällt mir Gefällt mir 0
Gefällt mir nicht Gefällt mir nicht 0
Liebe Liebe 0
Lustig Lustig 0
Wow Wow 0
Traurig Traurig 0
Wütend Wütend 0
Yusuf İnan

Yusuf İnan is a journalist, columnist, strategic analyst and head of the Wise News Press Media Group. His work focuses on international affairs, geopolitics, security and major social issues. Through his journalism, he promotes peace, dialogue, mutual understanding and responsible reporting while contributing to the development of international media projects.

Kommentare (0)

User