Augenausfluss: Warum ständiges Entfernen Beschwerden verstärken kann
Fadenförmiger Augenschleim kann bei trockenen Augen, Allergien oder Entzündungen auftreten. Häufiges Entfernen kann einen Reizkreislauf verstärken.
Von Ahmet Taş | Wise News Press
IZMIR, TÜRKEI — Eine kleine Menge getrocknetes Sekret im inneren Augenwinkel nach dem Aufwachen ist häufig Teil der natürlichen Reinigung des Auges. Hält der Ausfluss jedoch tagsüber an, wird stärker oder geht mit Rötung, Juckreiz und Brennen einher, können verschiedene Veränderungen der Augenoberfläche dahinterstecken.
Darauf weist Op. Dr. İsmail Diri, Facharzt für Augenheilkunde am Batıgöz Sağlık Grubu Balçova Cerrahi Tıp Merkezi, hin. Entscheidend sei nicht nur die Farbe oder Konsistenz des Sekrets. Wiederkehrender Augenausfluss müsse zusammen mit weiteren Beschwerden und möglichen Ursachen beurteilt werden.
Besonders problematisch kann es werden, wenn Betroffene fadenförmigen Schleim immer wieder mit den Fingern, einem Taschentuch oder Wattestäbchen aus dem Auge ziehen. Das kann die Oberfläche zusätzlich reizen und wiederum neue Schleimbildung fördern.
Nicht jeder Augenausfluss bedeutet eine Infektion
Die Tränenflüssigkeit besteht nicht nur aus Wasser. Auch Fettbestandteile und Schleim gehören zum natürlichen Tränenfilm und helfen dabei, die Augenoberfläche gleichmäßig feucht zu halten.
Während des Schlafs fällt das regelmäßige Blinzeln weg. Dadurch können sich Schleim, Fettbestandteile, Tränenreste und abgestoßene Zellen an den Augenwinkeln sammeln.
Eine geringe Menge sogenannter Augenkruste am Morgen ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen für eine Erkrankung.
Anders kann die Situation aussehen, wenn sich das Sekret im Laufe des Tages immer wieder neu bildet, deutlich zunimmt oder seine Konsistenz verändert. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, die Augenoberfläche und mögliche Begleitsymptome genauer untersuchen zu lassen.
Diri betont, dass Augenausfluss keine eigenständige Krankheit sein müsse, sondern vielmehr ein Hinweis auf unterschiedliche Veränderungen am Auge sein könne.
Fadenförmiger Schleim kann verschiedene Ursachen haben
Die Beschaffenheit des Augensekrets kann gemeinsam mit anderen Symptomen Hinweise auf die mögliche Ursache liefern. Eine sichere Diagnose lässt sich allein anhand von Farbe oder Konsistenz jedoch nicht stellen.
Eine mögliche Ursache sind trockene Augen. Wenn Menge oder Qualität des Tränenfilms nicht ausreichen, kann die Augenoberfläche gereizt werden.
Typische Beschwerden können sein:
- Brennen,
- Stechen oder Kratzen,
- Fremdkörpergefühl,
- zeitweise verschwommenes Sehen,
- fadenförmige Schleimansammlungen.
Auch eine allergische Bindehautentzündung kann zu schleimigem Ausfluss führen. In diesem Fall steht häufig ein starker Juckreiz im Vordergrund. Auslöser können beispielsweise Pollen, Hausstaub oder andere Allergene sein.
Infektiöse Bindehautentzündungen kommen ebenfalls infrage. Bei viralen Formen kann der Ausfluss eher wässrig sein, während bei bakteriellen Infektionen ein dichteres, schleimig-eitriges Sekret auftreten kann. Morgens können die Wimpern miteinander verklebt sein.
Diese Merkmale reichen nach Angaben des Experten jedoch nicht aus, um allein daraus sicher zwischen viralen, bakteriellen und anderen Ursachen zu unterscheiden.
Auch Blepharitis kann zu Krusten und Schleimbildung führen
Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Blepharitis, eine entzündliche Veränderung der Augenlidränder.
Dabei können sich insbesondere an den Wimpernansätzen Krusten und Ablagerungen bilden. Mögliche Begleiterscheinungen sind gerötete Lider, Brennen, Juckreiz und ein Gefühl, als befinde sich Sand im Auge.
Blepharitis kann außerdem den Tränenfilm beeinträchtigen und damit Beschwerden eines trockenen Auges verstärken.
Gerade weil trockene Augen, Allergien, Lidrandentzündungen und Infektionen teilweise ähnliche Beschwerden verursachen können, sollte bei länger anhaltenden Symptomen nicht allein aufgrund des Erscheinungsbilds des Sekrets behandelt werden.
Die Ursache bestimmt, welche Therapie sinnvoll ist.
Ständiges Entfernen kann einen Reizkreislauf auslösen
Fadenförmiger Schleim wird von Betroffenen häufig als besonders störend empfunden. Viele versuchen deshalb, ihn direkt mit den Fingern oder anderen Hilfsmitteln aus dem Auge zu entfernen.
Wird dieses Verhalten ständig wiederholt, kann jedoch ein Kreislauf entstehen, der in der Fachliteratur als „Mucus Fishing Syndrome“ bezeichnet wird.
Dabei wird der Schleim zwar kurzfristig entfernt, gleichzeitig aber die empfindliche Augenoberfläche mechanisch gereizt. Diese zusätzliche Reizung kann wiederum die Produktion von Sekret fördern.
Es kann ein Kreislauf entstehen:
Schleimgefühl → Herausziehen des Schleims → Reizung der Augenoberfläche → neue Schleimbildung → erneutes Herausziehen.
Diri rät deshalb dazu, bei ständig wiederkehrendem fadenförmigem Sekret nicht nur das sichtbare Material zu entfernen, sondern die zugrunde liegende Ursache untersuchen zu lassen.
Das wiederholte Manipulieren am Auge könne zwar kurzfristig Erleichterung verschaffen, langfristig jedoch dazu beitragen, dass die Beschwerden bestehen bleiben.
Nicht jeder Augentropfen ist für jede Ursache geeignet
Augenausfluss bedeutet auch nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt und antibiotische Augentropfen notwendig sind.
Eine Bindehautentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Neben Bakterien kommen beispielsweise Viren oder allergische Reaktionen infrage.
Bei einer viralen Bindehautentzündung sind Antibiotika nicht gegen die Ursache wirksam. Auch bei trockenen Augen, Allergien oder Blepharitis unterscheiden sich die Behandlungsmöglichkeiten erheblich.
Deshalb sollte bei länger anhaltender Rötung oder wiederkehrendem Ausfluss nicht ohne ärztliche Abklärung auf alte Augentropfen zurückgegriffen werden. Ebenso sollten Medikamente, die für eine andere Person verschrieben wurden, nicht eigenständig angewendet werden.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt davon ab, ob beispielsweise ein gestörter Tränenfilm, eine allergische Reaktion, eine Lidrandentzündung oder eine Infektion vorliegt.
Händehygiene und Kontaktlinsen verdienen besondere Aufmerksamkeit
Bestimmte Formen der Bindehautentzündung können ansteckend sein.
Vor allem bei viralen und einigen bakteriellen Infektionen kann gründliche Händehygiene helfen, eine Übertragung auf das andere Auge oder auf andere Personen zu reduzieren.
Empfohlen wird insbesondere:
- nach Berührung der Augen Hände waschen,
- Augen möglichst nicht reiben,
- Handtücher und ähnliche persönliche Gegenstände nicht gemeinsam benutzen.
Bei Kontaktlinsenträgern sollten Rötung, Schmerzen oder ausgeprägter Augenausfluss besonders aufmerksam beurteilt werden.
In diesen Fällen kann es wichtig sein, Erkrankungen der Augenoberfläche von Problemen zu unterscheiden, die auch die Hornhaut betreffen könnten. Eine zeitnahe augenärztliche Untersuchung kann deshalb erforderlich sein.
Bei Schmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Sehstörungen zum Augenarzt
Nicht jeder Augenausfluss ist ein Grund zur Sorge. Entscheidend sind Dauer, Menge und die gleichzeitig auftretenden Beschwerden.
Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn zusätzlich Symptome auftreten wie:
- deutliche Augenschmerzen,
- starke Lichtempfindlichkeit,
- vermindertes Sehvermögen,
- anhaltend verschwommenes Sehen,
- ausgeprägte Rötung,
- deutliche Schwellung des Augenlids oder der Augenregion.
Diri zufolge sollte wiederkehrender Ausfluss insbesondere dann nicht einfach als harmlose „Augenkruste“ abgetan werden, wenn solche Beschwerden hinzukommen.
Der Augenarzt weist darauf hin, dass wiederkehrendes Sekret nicht zwangsläufig auf eine schwere Erkrankung hindeuten müsse. Entscheidend sei jedoch, bei anhaltenden Beschwerden die Ursache zu bestimmen.
Ständiges Entfernen von Schleim könne den gereizten Zustand der Augenoberfläche weiter verstärken. Statt ausschließlich das sichtbare Sekret zu beseitigen, sollte daher geklärt werden, warum es immer wieder entsteht.
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