Nierensteine im Sommer: Warum Hitze und Flüssigkeitsmangel riskant sind

Starkes Schwitzen und zu wenig Flüssigkeit können im Sommer konzentrierten Urin begünstigen. Urologe Cem Güler erklärt Risiken und Vorbeugung.

19. August 2026 - 21:08
0
Nierensteine im Sommer: Warum Hitze und Flüssigkeitsmangel riskant sind

Von Ahmet Taş | Wise News Press

IZMIR, TÜRKEI — Hohe Temperaturen können im Sommer nicht nur den Alltag belasten, sondern auch den Flüssigkeitshaushalt und die Harnwege beeinflussen: Wer stark schwitzt und zu wenig trinkt, kann dadurch Bedingungen begünstigen, unter denen Nierensteine leichter entstehen.

Darauf weist Prof. Dr. Cem Güler, Facharzt für Urologie am Batıgöz Sağlık Grubu Balçova Cerrahi Tıp Merkezi, hin. Neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr spielen seiner Einschätzung zufolge auch Ernährung, individuelle Stoffwechselfaktoren und eine frühere Nierensteinerkrankung eine wichtige Rolle.

Warum Hitze das Risiko für Nierensteine erhöhen kann

Nierensteine können entstehen, wenn bestimmte Stoffe im Urin in hoher Konzentration vorliegen, kristallisieren und sich mit der Zeit zu größeren Ablagerungen verbinden. Dazu gehören unter anderem Kalzium, Oxalat und Harnsäure.

Steigen im Sommer die Temperaturen, nimmt häufig auch das Schwitzen zu. Wird der dadurch entstehende Flüssigkeitsverlust nicht ausreichend ausgeglichen, versucht der Körper Wasser zurückzuhalten. Die Nieren können dann weniger Urin produzieren.

Dadurch wird der Urin konzentrierter. In einem kleineren Urinvolumen befinden sich die steinbildenden Substanzen in höherer Konzentration, wodurch die Kristallbildung begünstigt werden kann.

Güler betont allerdings, dass Nierensteine nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen seien.

„Bei der Entstehung von Nierensteinen kann man nicht von nur einem Auslöser sprechen. Genetische Veranlagung, Ernährung, bestimmte Stoffwechseleigenschaften und frühere Steinereignisse können eine Rolle spielen.“

Besonders bei Hitze könne eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme nach starkem Schwitzen jedoch dazu beitragen, dass sich der Urin konzentriert und damit ein für die Steinbildung günstiges Milieu entsteht.

Urinfarbe kann Hinweise auf den Flüssigkeitshaushalt geben

Auch die Farbe des Urins kann im Alltag einen groben Hinweis auf die Flüssigkeitsversorgung geben.

Bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr ist Urin häufig hellgelb. Mit zunehmendem Flüssigkeitsmangel kann die Farbe dunkler werden.

Allerdings warnt Güler davor, jede Farbveränderung automatisch auf Dehydrierung zurückzuführen. Auch bestimmte Medikamente, Lebensmittel, Vitaminpräparate und verschiedene Erkrankungen können die Urinfarbe verändern.

Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, die sich bei hohen Temperaturen längere Zeit im Freien aufhalten, intensiv Sport treiben oder körperlich arbeiten. Bei ihnen kann der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen deutlich höher ausfallen.

Deshalb ist es an heißen Tagen sinnvoll, die Flüssigkeitszufuhr über den Tag zu verteilen und nicht ausschließlich auf ein ausgeprägtes Durstgefühl zu warten.

Auch Salz, tierisches Eiweiß und Oxalat spielen eine Rolle

Zur Vorbeugung von Nierensteinen reicht es nicht immer aus, nur mehr Wasser zu trinken. Auch die Ernährung kann die Zusammensetzung des Urins beeinflussen.

Eine sehr salzreiche Ernährung kann beispielsweise die Kalziumausscheidung über den Urin erhöhen und dadurch bei bestimmten Steinarten das Risiko steigern.

Auch ein übermäßiger Konsum tierischer Proteine kann bei manchen Menschen Veränderungen im Urin begünstigen, die die Bildung bestimmter Nierensteine erleichtern. Wie viel Fleisch oder andere tierische Eiweißquellen sinnvoll sind, sollte deshalb im Zusammenhang mit dem gesamten Ernährungs- und Gesundheitszustand betrachtet werden.

Eine weitere Rolle können oxalatreiche Lebensmittel spielen. Dazu zählen unter anderem:

  • Spinat,
  • Mangold,
  • Rote Bete,
  • Kakao,
  • Schokolade,
  • bestimmte Nüsse.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch diese Lebensmittel vollständig meiden sollte. Besonders bei Personen, die bereits einen Kalziumoxalatstein hatten, sollte die Ernährung nach Angaben des Urologen auf die jeweilige Steinart und die Ergebnisse einer medizinischen Stoffwechseluntersuchung abgestimmt werden.

Hohe Vitamin-C-Dosen und der Irrtum über Kalzium

Auch Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht unkontrolliert eingenommen werden.

Hohe Dosen von Vitamin C können im Körper die Bildung von Oxalat erhöhen. Bei entsprechend veranlagten Personen könnte dies das Risiko für Kalziumoxalatsteine beeinflussen.

Menschen mit einer Vorgeschichte von Nierensteinen sollten Nahrungsergänzungsmittel daher nicht nach dem Prinzip „mehr ist besser“ verwenden, sondern die Einnahme gegebenenfalls mit ihrem Arzt besprechen.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft zudem Kalzium. Manche Betroffene reduzieren nach einem Nierenstein eigenständig Milchprodukte und andere kalziumhaltige Lebensmittel.

Das sei nicht grundsätzlich sinnvoll. Über die Nahrung aufgenommenes Kalzium kann sich im Darm mit Oxalat verbinden und dadurch dessen Aufnahme vermindern.

Menschen mit Steinproblemen sollten deshalb kalziumhaltige Lebensmittel nicht pauschal aus ihrer Ernährung streichen. Anders kann die Bewertung bei Kalziumpräparaten aussehen, deren Einnahme individuell beurteilt werden sollte.

Hilft Zitronenwasser gegen Nierensteine?

Zitronen und andere Zitrusfrüchte enthalten Citrat. Dieser Stoff kann im Urin dazu beitragen, das Wachstum und Zusammenlagern bestimmter Kristalle zu begrenzen.

Deshalb kann eine ausreichende Citratversorgung bei geeigneten Patienten Bestandteil einer vorbeugenden Ernährung sein.

Zitronenwasser allein verhindert Nierensteine jedoch nicht zuverlässig und kann einen bereits vorhandenen Stein auch nicht einfach auflösen.

Nierensteine können aus unterschiedlichen chemischen Substanzen bestehen. Entsprechend unterscheiden sich auch die sinnvollen Vorbeugungsmaßnahmen.

Bei wiederkehrenden Steinen ist es daher wichtig, nach Möglichkeit die Zusammensetzung des Steins zu untersuchen und weitere Risikofaktoren zu bestimmen.

Wie viel Wasser ist genug?

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehört zu den wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung.

In internationalen urologischen Empfehlungen für Steinpatienten wird laut Güler häufig angestrebt, ein tägliches Urinvolumen von ungefähr 2 bis 2,5 Litern oder mehr zu erreichen.

Wie viel ein Mensch dafür tatsächlich trinken muss, lässt sich jedoch nicht pauschal festlegen. Der Bedarf hängt unter anderem von Außentemperatur, körperlicher Aktivität, Schwitzen, Ernährung und gesundheitlichem Zustand ab.

Güler empfiehlt deshalb, Flüssigkeit besonders an heißen Tagen regelmäßig über den Tag verteilt aufzunehmen.

„Es wäre nicht richtig, für jeden Menschen eine einzige feste tägliche Wassermenge festzulegen.“

Besondere Vorsicht gilt bei Erkrankungen, bei denen die Flüssigkeitsaufnahme eingeschränkt werden muss. Dazu können beispielsweise Herzinsuffizienz, fortgeschrittene Nierenerkrankungen oder andere medizinische Situationen gehören. Betroffene sollten ihre Trinkmenge nach ärztlicher Empfehlung planen.

Tee und Kaffee tragen zwar ebenfalls zur gesamten Flüssigkeitsaufnahme bei und führen nicht grundsätzlich zu Austrocknung. An heißen Tagen sollte Wasser nach Einschätzung des Experten dennoch die wichtigste Flüssigkeitsquelle bleiben. Stark zuckerhaltige Getränke sollten Wasser nicht ersetzen.

Welche Symptome auf einen Nierenstein hindeuten können

Nicht jeder Nierenstein verursacht sofort Beschwerden. Steine können längere Zeit unbemerkt in der Niere verbleiben.

Typische Symptome treten häufig auf, wenn ein Stein aus der Niere in den Harnleiter wandert. Charakteristisch sind starke Schmerzen auf einer Seite des Rückens oder der Flanke, die bis in die Leistengegend ausstrahlen können.

Hinzu kommen möglicherweise:

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Blut im Urin,
  • häufiger Harndrang,
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen.

Besonders ernst genommen werden sollten Fieber und Schüttelfrost zusammen mit Schmerzen, eine deutlich verringerte Urinmenge oder die Unfähigkeit, Wasser zu lassen.

Wenn ein Stein den Harnabfluss blockiert und gleichzeitig eine Infektion vorliegt, kann dies eine rasche medizinische Abklärung erforderlich machen.

Wer bereits Nierensteine hatte, sollte außerdem bedenken, dass ein einmaliges Ereignis einen späteren Rückfall nicht ausschließt. Bei wiederkehrenden Steinen können Steinanalysen, Blut- und Urinuntersuchungen sowie eine Bewertung der Ernährungsgewohnheiten helfen, individuelle Ursachen zu erkennen.

Güler fasst die Vorbeugung besonders für die Sommermonate so zusammen: Flüssigkeitsverluste sollten ausgeglichen, übermäßiger Salzkonsum vermieden und eine ausgewogene Ernährung eingehalten werden. Wer bereits Steine hatte, profitiert zusätzlich davon, Steinart und persönliche Risikofaktoren medizinisch bestimmen zu lassen.

WiseNewsPress.com

Was ist Deine Reaktion?

Gefällt mir Gefällt mir 0
Gefällt mir nicht Gefällt mir nicht 0
Liebe Liebe 0
Lustig Lustig 0
Wow Wow 0
Traurig Traurig 0
Wütend Wütend 0
Ahmet Taş

Ahmet Taş is a journalist, editor and Turkey Office Manager of the Wise News Press Media Group. He works across news, digital media and international publishing, focusing on accurate, responsible and accessible journalism. He contributes to the development of media projects that bring important political, social and global developments to a wider international audience.

Kommentare (0)

User