Epilepsie-Anfälle: Erste Hilfe und regelmäßige Kontrolle sind wichtig
Neurologe Atilla Kara erklärt, wie Epilepsie den Alltag beeinflusst, warum die Krankengeschichte wichtig ist und was bei einem Anfall zu tun ist.
Von Ahmet Taş | Wise News Press
IZMIR, TÜRKEI — Epilepsie kann den Alltag, das soziale Leben und die psychische Belastung von Patienten deutlich beeinflussen; entscheidend sind eine genaue Diagnose, regelmäßige Behandlung und richtiges Verhalten während eines Anfalls.
Der Neurologe Dr. Atilla Kara vom Özel Sağlık Hastanesi erklärte, dass epileptische Anfälle zwischen 10 Sekunden und 10 Minuten dauern können. Besonders wichtig sei, wo sich die betroffene Person während des Bewusstseinsverlustes befindet, weil Stürze, Unfälle und Verletzungen möglich sind.
Der Ort des Anfalls ist entscheidend
Dr. Kara betonte, dass bei Epilepsie nicht nur der Anfall selbst, sondern auch die Umgebung während des Anfalls ein Risiko darstellen kann. Eine Person kann stürzen, gegen harte Gegenstände schlagen oder sich an Kopf, Armen oder Beinen verletzen.
Epilepsie verlaufe mit vorübergehendem Bewusstseinsverlust, sagte Kara. Wenn Anfälle sehr häufig oder mehrfach hintereinander auftreten, könne dies das tägliche Leben und die soziale Teilhabe erheblich erschweren.
Viele Patienten entwickeln mit der Zeit die Sorge, jederzeit einen Anfall bekommen zu können. Diese Angst kann einfache Alltagsaktivitäten wie Einkaufen, Arbeiten, Schulbesuch, Ausgehen oder Autofahren beeinflussen.
Epilepsie belastet auch die Psyche
Nach Angaben von Kara betrifft Epilepsie nicht nur den Körper. Die Unsicherheit, wann der nächste Anfall auftritt, kann bei Patienten zu dauerhafter Anspannung und Angst führen.
Einige Betroffene vermeiden öffentliche Orte oder soziale Situationen, weil sie fürchten, vor anderen Menschen einen Anfall zu erleiden. Dadurch kann sich die Lebensqualität deutlich verschlechtern.
Deshalb sollte Epilepsie nicht nur als neurologische Erkrankung betrachtet werden. Auch die sozialen und psychologischen Folgen müssen berücksichtigt werden, damit Patienten ihren Alltag sicherer und selbstständiger gestalten können.
In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar
Dr. Kara erklärte, dass Epilepsie in etwa 20% der Fälle mit Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns zusammenhängen kann. Dazu zählen Hirntumoren, Gefäßverschlüsse, Verletzungen und Geburtstraumata.
Bei ungefähr 80% der Fälle lasse sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen. Genetische Faktoren könnten eine Rolle spielen, müssten aber nicht bei jedem Patienten nachweisbar sein.
Epilepsie kann in jedem Alter auftreten. Besonders häufig wird sie jedoch im Kindesalter und im höheren Lebensalter beobachtet. Einige Epilepsieformen, die in der Kindheit beginnen, können später weiterbestehen oder nach einer längeren Pause erneut auftreten.
Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen
Epileptische Anfälle zeigen sich nicht bei allen Patienten gleich. Manche Anfälle dauern nur wenige Sekunden und äußern sich als kurzes Wegtreten oder starres Schauen. Andere können mit Zuckungen in Armen und Beinen verbunden sein.
Bei größeren Anfällen, die im Volksmund häufig als “Sara-Anfall” bezeichnet werden, kann die betroffene Person zu Boden fallen, sich verkrampfen, den Blick fixieren und Schaum oder Speichel im Mund entwickeln.
Auch bei Menschen, die zuvor nie einen epileptischen Anfall hatten, kann die Erkrankung im höheren Alter erstmals auftreten. Wiederholte Bewusstseinsaussetzer, unklare Sturzereignisse oder unerklärliche Krampfanfälle sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Patientengeschichte und EEG helfen bei der Diagnose
Für die Diagnose ist die Krankengeschichte des Patienten sehr wichtig. Ebenso wertvoll ist die Beschreibung einer Person, die den Anfall beobachtet hat. Informationen über Dauer, Bewegungen, Bewusstseinszustand und Verhalten nach dem Anfall können die Diagnose unterstützen.
Kara wies darauf hin, dass auch eine sichere Videoaufnahme des Anfalls hilfreich sein kann. Neben der neurologischen Untersuchung wird häufig ein EEG eingesetzt. Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität des Gehirns.
Mit Hilfe des EEG können Hinweise darauf gewonnen werden, welche Eigenschaften der Anfall hat und aus welchem Bereich des Gehirns er möglicherweise entsteht. Medikamente spielen in der Behandlung der Epilepsie eine zentrale Rolle. Kara zufolge können Anfälle bei etwa 60% bis 80% der Patienten durch medikamentöse Therapie kontrolliert werden.
Während des Anfalls richtig reagieren
Während eines epileptischen Anfalls sollte die betroffene Person vorsichtig auf die Seite gedreht werden. Diese Position kann helfen, die Atemwege freizuhalten, wenn Speichel oder Schaum im Mund entsteht.
Außerdem sollten harte, scharfe oder gefährliche Gegenstände aus der Umgebung entfernt werden. So lässt sich das Risiko verringern, dass der Patient sich während des Anfalls verletzt.
Dr. Kara warnte auch vor falschen Maßnahmen. Wasser über den Patienten zu schütten, Zwiebeln riechen zu lassen oder einen Löffel in den Mund zu stecken, sei nicht richtig. Auch Finger oder Hände dürfen nicht in den Mund des Patienten gelegt werden. Während eines Anfalls können die Kiefermuskeln sehr stark sein, sodass schwere Verletzungen entstehen können.
Regelmäßige ärztliche Kontrolle, die konsequente Einnahme verordneter Medikamente und das Wissen der Angehörigen über richtiges Verhalten im Notfall helfen, Epilepsie sicherer zu bewältigen.
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