Deutschlands Regierungsflieger: Fast jeder zweite Flug bleibt leer

305 von 613 Flügen der Regierungsflotte waren im ersten Halbjahr 2026 ohne Passagiere. Kritik gibt es vor allem am Standort der Flugzeuge in Köln.

19. August 2026 - 20:31
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Deutschlands Regierungsflieger: Fast jeder zweite Flug bleibt leer

Von Ahmet Taş | Wise News Press

BERLIN, DEUTSCHLAND — Fast jeder zweite Flug der deutschen Regierungsflotte ist im ersten Halbjahr 2026 ohne die eigentlich zu befördernden Regierungsmitglieder durchgeführt worden. Neue Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums sorgen deshalb für Kritik an Kosten, Organisation und Standort der Flugzeuge.

Nach einem Bericht von DW Türkçe fanden von Januar bis Juni 308 Flüge mit Regierungsmitgliedern oder anderen berechtigten Passagieren statt. Im gleichen Zeitraum wurden 305 Leerflüge registriert. Damit waren nahezu die Hälfte aller entsprechenden Flugbewegungen Flüge ohne die politischen Passagiere, für deren Reisen die Maschinen eingesetzt werden.

Hauptgrund für die hohe Zahl ist die räumliche Trennung zwischen der in Köln stationierten Regierungsflotte und der Bundesregierung, deren Mitglieder ihre Reisen überwiegend in Berlin beginnen.

305 Leerflüge in nur sechs Monaten

Die Zahlen wurden auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hin vom Bundesverteidigungsministerium veröffentlicht.

Demnach kamen im ersten Halbjahr 2026 auf 308 Flüge mit Regierungsvertretern insgesamt 305 Flüge ohne diese Passagiere. Zusammengenommen starteten die Maschinen damit mehr als 600 Mal.

Die hohe Zahl der Leerflüge ergibt sich nach Darstellung des Ministeriums vor allem aus der bestehenden Logistik: Die Regierungsflugzeuge sind weiterhin in Köln stationiert, während Bundeskanzler, Bundespräsident und Bundesminister ihre Dienstreisen häufig von Berlin aus antreten.

Muss eine Maschine für eine Reise zunächst von Köln nach Berlin überführt werden, findet dieser Abschnitt ohne den eigentlichen politischen Passagier statt. Nach Ende eines Einsatzes können ähnliche Überführungsflüge erforderlich werden.

Genau diese Struktur steht seit Jahren in der Kritik.

Verteidigungsministerium verweist auf Pilotentraining

Das Bundesverteidigungsministerium weist darauf hin, dass die Leerflüge nicht vollständig als ungenutzte Flugzeit bewertet werden könnten.

Nach Angaben des Ministeriums werden entsprechende Flüge auch für die Aus- und Weiterbildung der Piloten genutzt. Die ohnehin notwendigen Überführungsflüge könnten somit gleichzeitig für Training und den Erhalt der fliegerischen Qualifikation eingesetzt werden.

Kritiker halten dem entgegen, dass die grundlegende Ursache der Leerflüge dadurch nicht beseitigt werde. Solange die Flugzeuge in Köln stationiert sind und ein erheblicher Teil der politischen Reisen in Berlin beginnt, bleiben zusätzliche Flugbewegungen notwendig.

Die Debatte betrifft deshalb nicht nur die unmittelbaren Kosten eines einzelnen Fluges, sondern auch die langfristige Organisation des staatlichen Flugdienstes.

Friedrich Merz führt die Statistik mit 73 Flügen an

Die Regierungsflugzeuge können unter anderem vom Bundespräsidenten, vom Bundeskanzler und von Mitgliedern des Bundeskabinetts für offizielle Dienstreisen genutzt werden.

Den Daten des Verteidigungsministeriums zufolge entfielen im ersten Halbjahr 73 Flüge auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Damit steht der Kanzler an der Spitze der veröffentlichten Nutzungsstatistik.

An zweiter Stelle folgt das Auswärtige Amt mit 63 Flügen. Das Bundeswirtschaftsministerium kommt auf 32 Flüge.

Deutlich geringer war die Nutzung bei anderen Ressorts. Das Familienministerium nahm die Regierungsflugzeuge demnach zweimal in Anspruch, das Verkehrsministerium einmal.

Für das Wohnungsbauministerium wurde im untersuchten Zeitraum kein entsprechender Flug registriert.

Die unterschiedlichen Zahlen hängen unter anderem von den jeweiligen internationalen Aufgaben und der Zahl der notwendigen Auslandsreisen der einzelnen Ressorts ab.

Bartsch kritisiert Kosten und Organisation

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch, der die Daten durch seine Anfrage öffentlich machte, kritisierte das Verhältnis zwischen Flügen mit und ohne Passagiere deutlich.

Bartsch bezeichnete die Bilanz laut DW Türkçe als eine „Bruchlandung“ für die Bundesregierung. Wenn die Regierungsflotte innerhalb eines halben Jahres rund 600 Mal starte und bei ungefähr der Hälfte dieser Flüge keine politischen Passagiere an Bord seien, sei dies aus seiner Sicht unverhältnismäßig und teuer.

Besonders kritisierte er die Standortfrage.

Die Bundesregierung arbeite seit Jahrzehnten in Berlin, während ein wesentlicher Teil der Regierungsflugzeuge weiterhin in Köln stationiert sei. Gleichzeitig verfüge die Hauptstadtregion inzwischen über den Flughafen Berlin Brandenburg.

Für Bartsch ist diese Konstellation nicht mehr zeitgemäß. Er fordert deshalb eine organisatorische Lösung, die die Zahl der notwendigen Überführungsflüge deutlich reduziert.

Umzug nach Berlin war bereits für 2012 vorgesehen

Die Diskussion über den Standort der Regierungsflotte ist nicht neu.

Ursprünglich war vorgesehen, die Regierungsflugzeuge bereits 2012 vollständig nach Berlin zu verlegen. Dieses Vorhaben verzögerte sich jedoch immer wieder.

Eine wesentliche Ursache war die jahrelange verspätete Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg. Der BER wurde deutlich später eröffnet als ursprünglich geplant.

Auch nach der Inbetriebnahme des Flughafens blieben infrastrukturelle Probleme bestehen. Für den vollständigen Betrieb der Regierungsflotte fehlen nach den Angaben im DW-Bericht weiterhin die notwendigen Voraussetzungen.

Deshalb werden die Maschinen auch Jahre nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin teilweise weiterhin von Köln aus betrieben.

Das führt zu der Situation, dass ein Flugzeug zunächst mehrere hundert Kilometer ohne die eigentlich vorgesehenen Passagiere zurücklegen muss, bevor eine offizielle Regierungsreise überhaupt beginnen kann.

Vollständige Verlegung könnte erst in den 2030er-Jahren kommen

Eine schnelle Lösung zeichnet sich derzeit nicht ab.

Nach den aktuellen Planungen wird eine vollständige Verlegung der Regierungsflugzeuge nach Berlin voraussichtlich nicht vor der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre erfolgen.

Bis die notwendige Infrastruktur am Flughafen Berlin Brandenburg geschaffen ist, dürfte deshalb weiterhin ein Teil der Regierungsflotte von Köln aus operieren.

Damit ist auch davon auszugehen, dass Überführungs- und Leerflüge vorerst Bestandteil des Systems bleiben.

Die politischen Auseinandersetzungen darüber dürften deshalb weitergehen. Für die Opposition steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob die bestehende Struktur angesichts der Kosten und zusätzlicher Flugbewegungen noch vertretbar ist.

Das Verteidigungsministerium verweist dagegen darauf, dass die Flüge organisatorisch notwendig seien und gleichzeitig für Ausbildungszwecke genutzt würden.

Die neuen Zahlen machen allerdings das Ausmaß der Standortproblematik besonders deutlich: 308 Flügen mit Regierungsvertretern standen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 305 Leerflüge gegenüber. Solange Regierungsmitglieder überwiegend von Berlin aus reisen, während ein erheblicher Teil der dafür benötigten Flugzeuge in Köln stationiert bleibt, dürfte sich an diesem Verhältnis nur begrenzt etwas ändern.

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Ahmet Taş

Ahmet Taş is a journalist, editor and Turkey Office Manager of the Wise News Press Media Group. He works across news, digital media and international publishing, focusing on accurate, responsible and accessible journalism. He contributes to the development of media projects that bring important political, social and global developments to a wider international audience.

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